Diese Seiten stellen ein literarisch-historisches Projekt über das Leben und die Kultur der Rasenna (Etrusker) dar, das in Zukunft ständig fortgesetzt wird. Interessierte lade ich herzlich ein, sich zu beteiligen. Kontaktmöglichkeit und Datum der einzelnen Seite befinden sich am unteren Ende der Leiste.

Unsere Reise beginnt in Popolonia, der ersten Industriestadt Italiens.

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1. Einleitung und Popolonia

2. Von den etruskischen Frauen und der etruskischen Sprache

Anhänge:

A. Ereignistabelle

B. Karte Etruskiens

C. Quellen

D. Links

E. Impressum

F. Haftungsausschluß

Zu Beginn eine Begriffserklärung: Die Römer nannten die Landschaft zwischen dem mittelländischen, östlich von Sardinien "tyrrhenisch" genannten Meer im Westen, den Apenninen im Osten, dem Arno im Norden und dem Tiber im Süden Etruria und seine Bewohner Etrusci. Es taucht auch auch in der lateinischen Literatur der Begriff Tuscia mit seinen Bewohner, den Tusci, auf, aus dem sich die heutige Toskana entwickelt hat. Die Griechen bezeichneten dasselbe Volk als Tyrrhenoi oder Tyrsenoi, daher der Name des Meeres zwischen der toskanischen Küste und Sardinien. Sich selber aber nannten die Etrusker Rasenna. Und so wollen wir dieses Volk möglichst oft auch nennen.

Es war an einem stürmischen Herbsttag als wir über das tyrrhenische Meer gesegelt kamen und im Hafen von Popolonia Schutz suchen mußten. Hier würden wir nun überwintern müssen, denn meine Mannschaft fürchtete die Winterstürme, das Schiff war beschädigt und der Weg, den wir bisher schon zurückgelegt hatten, war lang gewesen. Ich möchte mich hier nicht in den Vordergrund spielen, denn von mir soll auf diesen Blättern am wenigsten zu hören sein. Ich bin Iberer, hatte im Land der Hellenen zu tun, und kehre nun nach Iberien zurück. Meine Mannschaft besteht zur Hälfte aus Griechen und zur Hälfte aus Baelearen, die ich angeworben habe, da sie die besten Schützen im ganzen westlichen Mittelmeer sind und wir Piraten dadurch nicht zu fürchten brauchten. Nur einer hatte es versucht! Es ist ihm schlecht bekommen, da wir es waren, die ihn kaperten und nicht umgekehrt. Nur zwei meine Begleiter sind es noch wert erwähnt zu werden: Lysippos war ein griechischer Händler und Larthi war meine römische Frau. Larthi war ein seltsamer Name für eine Römerin, aber Ihre Familie war tyrrhenischer Herkunft, lebte aber schon seit Jahrzehnten in der Baetica in Corduba, wo ich gleichfalls herstamme. So wird Larthi in diesen Blättern unsere Führerin sein.

"Popolonia", begann Larthi uns zu erklären, nachdem wir in einer schlechten Herberge, die von einem Griechen geführt wurde, unterkommen waren, aber eine andere Möglichkeit hatten wir nicht, wir tauschten die Enge des Schiffes gegen die Enge dieses heruntergekommenenden Hauses, heruntergekommenen wir alles in dieser Stadt, "Popolonia hieß eigentlich früher Publona und war die Stadt der Metalle und des Meeres. Hier wurde das Eisen in vielen kleinen Hochöfen aus dem Erz, das von Elba herübergebracht worden war, verhüttet. Die Schmieden hier machten die besten Schwerter und Rüstungen des westlichen Mittelmeeres."

Die Erzöfen von Popolonia im IV.Jahrhundert. Zwecks Vergrößerung bitte klicken.

Bildquelle: National Geographic (engl.) v. Juni 1988.

In der Tat hatte Larthi recht: Popolonia war sicherlich die erste Industriestadt Italiens. Wegen ihrer Lage direkt am Meer und zwischen metallführenden Bergen, zudem gegenüber der erzreichen Insel Elba, war sie außerordentlich bevorzugt und gelangte dadurch zu großem Reichtum. Bereits in der Zeit der Vilanova-Kultur, die der Rasenna-Kultur vorausging, wurde hier Kupfer verarbeitet und weiterverhandelt. Schon die Vilanova-Kultur legte ausgedehnte Nekropolen an, bruchlos folgten im VII. Jahrhundert vor unserer Zeit Pseudokuppelgräber der Rasenna. Zunächst war nur eine Hügelkuppe, die diesen Teil der Küste beherrschte, von der Stadt belegt, die sich mit ihren Schmieden und dem Industriegelände für die Eisenverhüttung weiter ausdehnte. Mit einem zweiten Mauerring wurde die Halbinsel von Popolonia gegen das Land abgeschirmt. In Popolonia muß man auch die größten Handels- und Kriegsflotten der Etrusker vermuten. Einen weiteren Höhepunkt erlebte Popolonia seit dem 4. Jahrhundert, als das Erz nicht mehr auf Elba verhüttet, sondern zur Küste herübergebracht wurde. Der Grund für diese Verlagerung war wahrscheinlich ein Angriff der Syrakuser auf Elba, wo sich diese sogar von 453-453 festsetzen konnten. Obwohl es den Etruskern gelang diese zu vertreiben, erschien Elba für die Verhüttung nicht mehr sicher genung. Nun entstand an der Küste Popolonias das erste große Industriegebiet Italiens. Die archaischen Nekropolen wurden mit Schlacke aus der Erzverhüttung bedeckt. Nun entstanden weiter im Landesinneren und an der dem Industriegebiet abgewandten Seite der Akropolis in den Fels gehauene Kammergräber. Seit dem ca. V. Jahrhundert vor unserer Zeit besaß Popolonia eigene Münzprägestätten. Da diese noch arbeiteten, obwohl das ganze Land der Rasenna im III. Jahrhundert von Rom unterworfen worden war, ist anzunehmen, das es Popolonia noch lange gelang, eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten. Der Absturz kam durch den wirtschaftlichen Niedergang: Andere Seewege waren erkundet worden, das Eisen kam in großer Menge nun auch aus anderen Gegenden, wohl auch billiger. Popolonia war nicht mehr konkurrenzfähig. Zuerst erloschen die Schmieden, dann die Hochöfen, im 5. Jahrhundert unserer Zeit ist die Stadt nicht mehr: Es blieben Ruinen und Schutt von den Schmiedeöfen der Rasenna.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass Lysippos ein unruhiger Geist war, ungeheuer wißbegierig und gleichzeitig sehr geschäftstüchtig. Was ihn in diesen Tagen trieb, konnten wir später nicht mehr sagen. Aber wahrscheinlich war ihm die Herberge fiel zu schäbig, die wenigen weiblichen Bewohnerinnen des Hafens zu häßlich, die römische Wache zu patzig. So erschien er schon wenige Tage nach unserer Ankunft mit Pferden und einem kleinen Reisewagen für unser Gepäck und für Larthi.

"Schöne Tyrrhenerin, ich habe für uns beschlossen, Deine Heimat zu erkunden und evt. und so nebenbei das eine oder ander Geschäftchen abzuschließen - sofern man in diesem Land, nachdem die Römer wie die Heuschrecken darüber hergefallen waren noch Geschäfte machen kann - . Verstehst Du noch die Sprache Deiner Ahnen oder sprichst Du sie?"

"Wenige Worte nur noch", antwortete Larthi. Und ich ergänzte: "Aber, Lysippos, alter Freund, mit deinem klassischen Griechisch werden wir überall verstanden. Und wenn nicht, hier sind auch noch zwei Leute, die des Lateinischen vollendet mächtig sind."

"Dann bin ich froh, dass ihr einverstanden seid, diese trostlosen Platz und die verlauste Herberge zu verlassen und uns ins Landesinnere auf den Weg zu machen. Das wollen wir heute abend mit dem letzten griechischen Wein, der sich auf unserem Schiff befindet, feiern! Derweil kann uns Larthi dennoch das wenige, was sie von der Sprache ihrer Ahnen noch weiß, weitergeben. Es wird uns nicht schaden."

"Ich bin Deiner Meinung, Lysippos, aber soviel ich weiß, schätzen die Griechen die Anwesenheit von Frauen bei Gelagen nicht sehr und auch wir Iberer sind da etwas zurückhaltend."

"Aber wir sind doch in ´Tyrrhenien, Thur, bei diesen Leuten war es Sitte, dass die Frauen mittrinken, so will ich meine griechische Strenge an diesem Abend vergessen und der edlen Larthi und den fremden Worten aufmerksam lauschen."

Larthi wurde rot, aber sagte nichts.

"Zudem", ergänzte der Grieche, "Werden wir in diesem Nest auch keine geeigneten Tänzerinnen für eine Orgie finden, bilden wir also beim Wein unseren Geist."

"Einst waren die Etruskerinnen sehr schön", sagte Larthi. "So wie Du", lächelte ich. Und Lysippos, der Schmeichler, nickte.

E-Mail an Thur, dem Iberer
© Mo, 10.März 2003

2. Von den etruskischen Frauen und der etruskischen Sprache: